DIE BUCKELIGE ANGELIKA

JÖRG GRASER

Cardori, den Heldentenor, treibt bereits der Anblick einer buckeligen Verehrerin von der Opernbühne, und die Vorstellung, dass dieses Geschöpf mit dem Namen Angelika seine intimsten Hinterlassenschaften, nämlich seinen Müll, aus der Tonne klaubt und sich an diesem ergötzt, lässt zwar seine Stimme versagen, nicht jedoch seine erotische Prägnanz – nicht einmal auf dem Dachboden.

Im Haus der besagten Angelika spielt sich das alles auf einer etwas anderen Ebene ab, da wird so gehandelt wie geredet, nämlich derb, und den Ton bestimmt der Frequenznehmer ihrer Mutter, der Hausmeister Cyceck. Die Opernbegeisterung seiner Quasistieftochter hält er für Spinnerei und Ausdruck wie Kompensationsversuch ihrer körperlichen Beschaffenheit, das ganze Gesinge in der Oper generell fürüberflüssig...

Das Zusammentreffen der aufgeblasenen Exaltiertheit des Künstlerkosmos' auf der einen, des kleinbürgerlichen Spießertums auf der anderen Seite erweist sich als das, was es für sich genommen auch immer schon war: als Fiasko.





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