UNS ERWARTEN DIE HERRLICHSTEN DINGE

NACH LESZEK KOLAKOWSKI

„Warte mal 'ne Sekunde!", hat jeder schon einmal gesagt. Ein Widerspruch in sich; Warten dauert, dauert auf jeden Fall länger als eine Sekunde und zieht sich hin und kommt schier zu keinem Ende; Warten müssen verursacht fast Schmerz, macht nervös, lässt vielleicht einen kurzen Moment machtlosen Aufruhrs zu... und schläfert schließlich ein. Aber was geschieht, während Menschen warten? Sie erwarten! Sie erwarten immer mehr, mehr jedenfalls, als sie schließlich bekommen können. Sie erträumen sich die wunderschönsten Momente. Sie erwarten die herrlichsten Dinge.

Die Situation: Wartezimmer, sieben Leute. Sechs Patienten, eine Sprechstundenhilfe. Man wartet, mal geduldig, mal ungeduldig. Mal zahm, mal zornig: 20, 30, 70 Jahre. Darauf, zum Zahnarzt eingelassen zu werden. Man kennt sich also. Und erwartet die herrlichsten Dinge.

Das ironisch-absurde Stück „Pfarrer Jensens System" des Philosophen und Literaten Leszek Kołakowski (1927 – 2009) wurde nach seiner Veröffentlichung in Polen nur viermal in Polen aufgeführt, bevor es – zensiert – in der Versenkung verschwand und darauf „wartete", wieder aufgeführt zu werden. Kołakowski selber war Kommunist, was ihn keineswegs daran hinderte, den real existierenden Sozialismus in den Staaten des Warschauer Paktes scharf anzugreifen. Das brachte ihm den Ausschluss aus der Kommunistischen Partei (1966), das Lehrverbot an Universitäten (1968) und die Emigration sowie ein Einreiseverbot in sein Heimatland Polen bis zur „Wende" 1989. Bis zu seinem Tod lehrte und arbeitete er in Oxford und hielt auch Vorlesungen an US-amerikanischen Universitäten. 2009 wurde er in einem Staatsbegräbnis beigesetzt.



Das sagen unsere Zuschauer

 

Ein bemerkenswertes Stück, ein wenig intellektuell, aber auch großartig komisch, ein wenig „Warten auf Godot“...

 

Insgesamt eine beachtenswerte schauspielerische Leistung.

 

Fast ein kafkaeskes Stück – spannend die gelungenen Pausen. Ein Genuss.

 

10.000 Fragen blieben unbeantwortet!

 

Ganz toll, ungewöhlich!

 

Sehr gut, gelößt von einer klassischen Theatervorstellung, und trotzdem wurde man nicht als Zuschauer zum „Mitmachen“ gezwungen, um wie ein Depp auszusehen. Das finde ich sehr gelungen und gut gespielt!

 

Ein kurzweiliges Hochvergnügen!



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